{"id":316,"date":"2011-07-31T21:05:02","date_gmt":"2011-07-31T21:05:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.werner-mansholt.de\/?page_id=316"},"modified":"2014-07-02T12:40:15","modified_gmt":"2014-07-02T12:40:15","slug":"the-theatre-of-real-life-wolfgang-zurborn","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.werner-mansholt.de\/?page_id=316","title":{"rendered":"The Theatre Of Real Life &#8211; Wolfgang Zurborn"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.werner-mansholt.de\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/The-Theatre-of-Real-Life-Book2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-646\" title=\"The-Theatre-of-Real-Life-Book\" src=\"http:\/\/www.werner-mansholt.de\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/The-Theatre-of-Real-Life-Book2.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"334\" srcset=\"https:\/\/www.werner-mansholt.de\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/The-Theatre-of-Real-Life-Book2.jpg 400w, https:\/\/www.werner-mansholt.de\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/The-Theatre-of-Real-Life-Book2-300x250.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a>Titelfoto: Dakar, Senegal \u00a0\u00a9 Werner Mansholt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Fotografie kann den Anschein erwecken, Wirklichkeit objektiv abzubilden, da die subjektive Interpretation hinter dem tr\u00fcgerisch realen Bild unsichtbar zu werden scheint. Jede fotografische Sicht ist aber immer ein pers\u00f6nliches Konstrukt unserer Welt, abh\u00e4ngig von individuellen Pr\u00e4gungen, inhaltlichen Interessen und \u00e4sthetischen Vorstellungen. Im Dialog mit anderen k\u00f6nnen wir die eigenen Fotografien verstehen lernen, um so einen unverbrauchten und eigenen Blick zu entwickeln. Diesen fruchtbaren Dialog auszul\u00f6sen, ist das vorrangige Ziel des Seminars von Wolfgang Zurborn an der Lichtblick School in K\u00f6ln.<\/p>\n<p>Die Fotografie macht es uns m\u00f6glich, unmittelbar dem zu begegnen, was f\u00fcr uns im allt\u00e4glichen Leben eine Bedeutung hat. So haben die TeilnehmerInnen im Laufe des 6-monatigen Seminars ihren subjektiven Vorlieben folgend eigene Themen bearbeitet und sind dabei zu sehr unterschiedlichen fotografischen L\u00f6sungen gekommen zwischen sachlicher Dokumentation, vielschichtiger Konzeption und subjektiv k\u00fcnstlerischer Interpretation.<\/p>\n<p>Ein wesentlicher Aspekt bei der Entwicklung einer eigenen Bildsprache ist es, den spezifischen Charakter der pers\u00f6nlichen Herangehensweise an das Medium verstehen zu lernen. Intuition und Konzeption stellen bei diesem Prozess kein Gegensatzpaar dar, sondern erg\u00e4nzen sich im Idealfall. Der Akt des Fotografierens ist ein hochkomplexer Vorgang in der Kommunikation mit der Umwelt, der ein unmittelbares Reagieren auf das Geschehen erfordert. F\u00fcr das Editieren und die Pr\u00e4sentation des Bildmaterials ist eine konzeptionelle Durchdringung des fotografischen Ansatzes unverzichtbar. Auf der Suche nach einer Wahrhaftigkeit in der Fotografie gibt es nicht die eine richtige oder falsche Methode. Alles ist Fiktion. Dokumentation und Inszenierung haben mehr gemeinsam als vermutet.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.lichtblick-school.com\/CONT\/showcases\/theatre_lbs.imx\/01_peter.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"450\" \/><br \/>\nPeter Feldhaus, Ordentlich Studierende<\/p>\n<p>Die Arbeit <em><strong>Ordentlich Studierende <\/strong><\/em>von <strong>Peter Feldhaus<\/strong> verbindet in sehr komplexer Form die Aspekte von Dokument, Inszenierung und Konzeption. Portraits von Studentinnen und Studenten der Heinrich Heine Universit\u00e4t D\u00fcsseldorf werden Interieuraufnahmen der Lehrr\u00e4ume gegen\u00fcbergestellt. Gemeinsam vermitteln diese beiden Ebenen der Serie ein Lebensgef\u00fchl im Rahmen eines Studiums, das die Studierenden so sehr in Anspruch nimmt, dass kaum mehr Zeit f\u00fcr andere Interessen bleibt. Die Personen werden von dem Fotografen in den R\u00e4umen der Universit\u00e4t so in Szene gesetzt, dass sie in einem Moment gro\u00dfer Konzentration etwas preisgeben von sich selbst auf der Suche nach einer eigenen Identit\u00e4t. Die Pr\u00e4gung des Menschen von seinem Lebensumfeld ist f\u00fcr Feldhaus von gro\u00dfer Bedeutung und deshalb l\u00e4sst er pr\u00e4zise gesehene fragmentarische Einblicke in die Lehrr\u00e4ume mit den Portraits in Dialog treten. Jenseits einer rein funktionalen Darstellung der Orte und Gegenst\u00e4nde, geben diese Fotografien den Objekten, Materialien, Oberfl\u00e4chen und Farben eine ganz eigenst\u00e4ndige Aussagekraft, die etwas erz\u00e4hlt vom Spannungsfeld zwischen Individualit\u00e4t und Konformismus.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.lichtblick-school.com\/CONT\/showcases\/theatre_lbs.imx\/09_enrico.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" \/><br \/>\nEnrico Duddeck, Hauptstadt der Energie<\/p>\n<p><strong>Enrico Duddeck<\/strong> richtet seinen fotografischen Blick auf die <em><strong>Hauptstadt der Energie<\/strong><\/em>, wie sich die Stadt Grevenbroich selbst stolz bezeichnet. Dort befindet sich die gr\u00f6\u00dfte, zusammenh\u00e4ngende Lagerst\u00e4tte f\u00fcr Braunkohle in Europa und ein Teil dieses fossilen Brennstoffs wird in den Braunkohlekraftwerken der Umgebung zur Stromerzeugung verfeuert. Die Kraftwerke Frimmersdorf und Neurath liegen innerhalb der Stadtgrenze und sorgen daf\u00fcr, dass Grevenbroich zu den St\u00e4dten Europas mit der gr\u00f6\u00dften Umweltverschmutzung gez\u00e4hlt wird. Mit schonungsloser Detailgenauigkeit dokumentiert Enrico Duddeck die Allgegenw\u00e4rtigkeit der rauchenden Schlote im Alltag der dort lebenden Menschen. Konsequent in der Verwendung einer vergleichbaren Perspektive und eines fahlen Lichts schafft er eine beklemmende Serie von Fotografien, die seine Kritik an den Lebensumst\u00e4nden in dieser Stadt deutlich macht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.lichtblick-school.com\/CONT\/showcases\/theatre_lbs.imx\/14_wolfgang.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"375\" \/><br \/>\nWolfgang S\u00fcmmermann, Kein Winterdienst<\/p>\n<p>Sch\u00f6ne Fassaden und Glitzermeilen k\u00f6nnen <strong>Wolfgang S\u00fcmmermann <\/strong>nicht beeindrucken. Sein Augenmerk gilt eher den R\u00fcckseiten der urbanen R\u00e4ume, den allt\u00e4glichen und versteckten Orten und Ecken, die schnell vergessen werden und an denen sich niemand lange und gerne aufh\u00e4lt. Waschsalons, alte Schwimmb\u00e4der. Superm\u00e4rkte, Bahnh\u00f6fe und Krankenh\u00e4user \u00fcben einen gro\u00dfen Reiz auf ihn aus mit ihrer versteckten Sch\u00f6nheit und ihrer ganz eigenen Realit\u00e4t.<br \/>\nDie Serie <strong><em>Kein Winterdienst <\/em><\/strong>ist in einem Garagenhochhaus in Wasserburg\/Inn entstanden. Mit gro\u00dfer formaler Sicherheit f\u00fcr die Aufteilung des Bildformats und die Verwendung von Farbe erreicht er in der Abbildung dieser Gebrauchsarchitektur ein Ma\u00df an Abstraktion, die weit \u00fcber die rein funktionale Darstellung der R\u00e4ume hinaus Sinnbilder unserer Alltagskultur schafft. Spuren der Pr\u00e4senz des Menschen werden durch sehr bewusst in Szene gesetzte Gegenst\u00e4nde, Schilder, Schriften und Reifenspuren sichtbar.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.lichtblick-school.com\/CONT\/showcases\/theatre_lbs.imx\/19_stefan.jpg\" alt=\"\" width=\"299\" height=\"446\" \/><br \/>\nStefan Hammer, Wirklichkeit?<\/p>\n<p><strong>Stefan Hammer<\/strong> ist skeptisch gegen\u00fcber dem Anspruch der Fotografie, ein eindeutiges Bild der Wirklichkeit zu vermitteln. Mit seiner Serie <em><strong>Wirklichkeit?<\/strong><\/em> nimmt er den Betrachter mit auf die Reise in eine \u00dcbergangszone zwischen realen und medialen R\u00e4umen. Man verliert die Orientierung in den vielschichtigen Ebenen seiner Bilder. Die urbanen R\u00e4ume, vorrangig in asiatischen Metropolen fotografiert, erscheinen wie ein Labyrinth von Zeichen der Massenmedien. Ikonen der Werbung und der Kunst sind allgegenw\u00e4rtig. Es entsteht eine unmerkliche Verschiebung der Wahrnehmung einer eigentlich vertrauten allt\u00e4glichen Umgebung hin zu der irritierenden Vision einer Welt, in der sich die Grenze zwischen Fiktion und Realit\u00e4t aufgel\u00f6st hat. Die allgegenw\u00e4rtigen Mythen der Medien werden in den unkonventionellen Perspektiven und eigenwilligen Ausschnitten des Fotografen ironisch gebrochen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.lichtblick-school.com\/CONT\/showcases\/theatre_lbs.imx\/25b_cfischer.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"300\" \/><br \/>\nChristine Fischer, Utopia<\/p>\n<p>Voller R\u00e4tselhaftigkeit sind auch die fantastischen Traumwelten, die <strong>Christine Fischer<\/strong> in ihrer Serie <em><strong>Utopia <\/strong><\/em>entwirft. Ihre Fotografien entf\u00fchren uns in eine Welt zwischen Realraum und Illusionsraum. Die B\u00fchnen f\u00fcr die Vorf\u00fchrung des Animalischen im Nachttierhaus des Frankfurter Zoo fotografiert sie so ausschnitthaft, dass die Inszenierung nicht mehr zu erkennen ist. Mit der spannungsvoll ins Bild gesetzten vorget\u00e4uschten Nat\u00fcrlichkeit entwickelt sie in ihren Fotografien eine suggestive Kraft, die den Betrachter in ihren Bann zieht. Das pr\u00e4zise Gesp\u00fcr f\u00fcr die Wirkung von Materialien, Farben und Licht l\u00e4sst einen ganz eigenen \u00e4sthetischen Raum entstehen. Christine Fischer leitet uns zu einer Schnittstelle des Imagin\u00e4ren, als utopischer Entwurf einer \u201eperfekten anderen Welt\u201c. Die Absichtslosigkeit des Traumes mit seiner kreativen Kraft wird f\u00fcr sie zum sinnstiftenden Element.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.lichtblick-school.com\/CONT\/showcases\/theatre_lbs.imx\/32_susanne.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"399\" \/><br \/>\nSusanne Heincke<\/p>\n<p>Wie in einen Tagtraum versetzt f\u00fchlt sich der Betrachter auch in den Bildern von <strong>Susanne Heincke<\/strong>. Die Fotografien f\u00fcgen sich wie ein Tagebuch einer Reise zusammen, ohne dabei die besuchten Orte genau zu beschreiben. Sie schafft keine Dokumente einer anderen Kultur, vielmehr macht sie den Zustand des Reisens, die Ver\u00e4nderung der Wahrnehmung selbst zum Thema ihrer Arbeit. Die Orientierung scheint verloren zu gehen und in mehreren Schichten durchdringen sich K\u00f6rper, reale Orte und Illusionsr\u00e4ume. Der Verzicht auf eine strenge Konzeption bei dem Blick auf das Fremde erm\u00f6glicht es der Fotografin, sich in einen Bewusstseinszustand zwischen neugieriger Faszination und verwundernder Irritation zu versetzen. Sie sensibilisiert sich f\u00fcr die zuf\u00e4lligen Augenblicke, in denen das Bild der \u00e4u\u00dferen Welt deckungsgleich mit der inneren Seelenlandschaft ist.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.lichtblick-school.com\/CONT\/showcases\/theatre_lbs.imx\/Werner_05.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"266\" \/><br \/>\nWerner Mansholt, Senegal<\/p>\n<p>Die Herausforderung bei dem Fotografieren in einer fremden Kultur ist es, sich auf das \u201eAndere\u201c einlassen zu k\u00f6nnen ohne mit vorgefassten Wertvorstellungen den Blick zu verengen. <strong>Werner Mansholt<\/strong> sucht bei seiner Reise in den <em><strong>Senegal<\/strong><\/em> nach Momenten des Erlebens und schafft damit vitale Dokumente des Alltags in diesem westafrikanischen Land. Er will keine Bilder \u201estehlen\u201c, keine klischeehaften Motive absch\u00f6pfen. Das Interesse an den Lebensumst\u00e4nden in Senegal treibt ihn an, authentische Geschichten zu erz\u00e4hlen, die ihm auf den Strassen und \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen begegnen. Die hohe Kunst ist es f\u00fcr ihn dabei, sich \u201eunsichtbar\u201c zu machen und keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Jegliches Posing f\u00fcr die Kamera w\u00fcrde ihn st\u00f6ren, da es ablenken w\u00fcrde von dem, was ihn wirklich fasziniert, vom Augenblick, in dem alle Details im Bild zusammenwirken und die Menschen im Verh\u00e4ltnis zu ihrem Lebensraum gezeigt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei Blurb erschien die Publikation zum Seminar <em>The Theatre of Real Life<\/em> mit einer umfangreichen Pr\u00e4sentation der hier vorgestellten Serien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Titelfoto: Dakar, Senegal \u00a0\u00a9 Werner Mansholt &nbsp; Die Fotografie kann den Anschein erwecken, Wirklichkeit objektiv abzubilden, da die subjektive Interpretation hinter dem tr\u00fcgerisch realen Bild unsichtbar zu werden scheint. 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